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Wege aus der Online-Müdigkeit: Innovative Online-Workshops und digitale Kreativtechniken

Ein Online-Workshop? Oh, nee. Nicht schon wieder.

Am Anfang war es die große Überforderung. Der Schritt von der Präsenzveranstaltung in den virtuellen Raum. Es war nicht nur eine enorme Lernkurve die wir alle absolvierten, jede*r musste für sich selbst auch seine eigene Online-Kultur entwickeln. Welche technische Ausstattung benötige ich, wie möchte ich mich vor dem Bildschirm präsentieren, wie verhalte ich mich?
Wir alle richteten uns in der neuen Welt ein. Und es dauerte circa ein halbes Jahr, dann war Remote zwar immer noch aufregend, aber langsam entstand so etwas wie ein Überhang an Digitalität. Plötzlich hatten wir mit einer fortwährenden Müdigkeit und Abgelenktheit zu kämpfen. Das Phänomen der Online-Fatigue erschien auf der Bildfläche.
Dennoch: Neben der Ermüdung erleben wir alle ganz klar die unbestrittenen Vorzüge der Online-Formate. Remote geht schnell, ist räumlich flexibel, kostengünstig und einfach praktisch.
Die Anforderung lautet also nun: Wie lassen sich Online-Workshops innovativ und kreativ gestalten, so dass die Teilnehmenden mit Freude und Motivation dabei bleiben?

Lebendige Strukturen schaffen

„Um Innovation in einem Workshop-Format zu erreichen, muss der*die Moderator*in übervorbereitet und unterstrukturiert sein. Wenn wir nicht vorbereitet sind, können wir nicht im Unbekannten navigieren, wenn wir zu viele Strukturen haben, können wir uns nicht von ihnen lösen, um die Richtung zu ändern“, erzählt K16-Designer Niklas Wriedt über seine Erfahrungen aus Design-Thinking-Workshops. „Als Moderator*innen müssen wir unsere Teilnehmer*innen und uns selbst immer wieder ermutigen, das, was uns begegnet, als Chance und nicht als Herausforderung zu sehen.“

Eine gute Vorbereitung in das Thema, die gleichzeitig für die Präsentation genutzt werden kann, lässt sich zum Beispiel mittels eines Whiteboards erlangen. Die Einbindung intuitiv zu bedienender Add Ons wie Mural oder Miro gibt Struktur, gleichzeitig lassen sich die Inhalte dort einfach bearbeiten und verändern.

„Mit den Tools baue ich tolle Tafelbilder. Da lege ich einen kompletten Pfad drauf, baue verschiedene Fragen und Überschriften ein. Das ist absolut sinnvoll, es macht Spaß und ist im Nachhinein auch noch eine perfekte Dokumentation des Workshops“, erzählt Diemut Bartl, Beraterin und Partnerin bei Dark Horse Innovation.

Falls sich neue Ideen und Herangehensweisen ergeben, können diese unkompliziert in den Pfad eingebaut werden. Es handelt sich quasi um Strukturen, die sich flexibel und lebendig anpassen lassen und somit eine innovative, kreative Herangehensweise unterstützen.

Weniger ist mehr

Die Arbeit mit einem Whiteboard oder anderen Werkzeugen wie Umfragen oder Videos ist eine gute Idee, doch insgesamt sollte die Multimedialität während eines Workshops begrenzt sein. Grundsätzlich gilt: Weniger ist mehr. „Am Anfang haben wir noch herumprobiert, da hatten wir etwas auf Zoom, dann hatten wir ein Whiteboard, dann hatten wir den Bildschirm geteilt, dann musste man noch mal auf eine andere Website gehen, aber das ist Quatsch“, erinnert sich Diemut Bartl.

Grund dafür ist, dass bei jedem Wechsel das Risiko besteht, Teilnehmer*innen zu verlieren, weil sie entweder technisch nicht nachkommen, das Internet dann anderweitig nutzen oder ihr Fokus schwindet.

Auch Multi-Device, also die Nutzung verschiedener Geräte, ist eine wunderbare Abwechslung, sollte aber ebenfalls eher sparsam eingebaut werden. So kann eine Umfrage per Smartphone, beispielsweise mittels eines QR-Code in der Bildschirm-Präsentation, eine Auflockerung sein und den Blick vom Bildschirm lösen. Aber eben nicht zu oft.

Dieser Minimalismus bei der Bedienung aus der Tool-Kiste kommt auch dem gemeinsamen Erlebnis und der Kreation neuer Ideen zu Gute. Denn letztlich geht es in den meisten Workshops vor allem um Zusammenarbeit unter den Teilnehmenden selbst.

„Die Teilnehmer*innen sind das wahre Zentrum eines Workshops. Wenn wir zu komplexe Werkzeuge und Elemente verwenden, schaffen wir keinen Raum, um frei zu denken und um Wege zu erforschen, die wir nicht erwartet hatten“, so Niklas Wriedt.

Gerade wenn man diese Richtungen erforscht, die niemand vorhergesehen hat, besteht die Chance, wirklich innovative Lösungen zu finden.

Verbindung aufbauen

Um von vornherein eine gemeinsame Ebene zu schaffen, ist es wichtig, die Teilnehmer*innen auf den Workshop, das Thema wie auch auf die Gruppe einzustimmen. Das funktioniert am besten mit einer passenden Begrüßung und einem kleinen Warm-Up. Auch für die moderierende Person ist es wesentlich, durch einen kleinen Check-In, ein Gefühl für die Gruppe zu entwickeln. Gerade Workshopleiter*innen, die alleine im Homeoffice oder im Büro vor dem Rechner sitzen, bekommen auf diese Weise schon ein erstes Feedback zur Gruppensituation.

„Man denkt vielleicht manchmal, das ist Zeitverschwendung, aber das ist enorm wichtig. Ich habe diese 15 bis 25, oder auch nur fünf Minuten auch noch nie als Zeitverschwendung empfunden. Du holst damit die Leute rein, das ist der erste Moment, in dem jede:r etwas beiträgt. Somit versicherst du dich ihrer Aufmerksamkeit. Je nachdem wie du den Beginn gestaltest, kann das eher auf einer persönlicheren Ebene sein, z.B. mit einer Frage – ‚Wie geht’s mir‘, ‚Was habe ich heute schon Schönes gemacht‘, ‚Das möchte ich heute nicht erleben‘ – oder es kann auf einer spielerischen Ebene stattfinden. Beides hat den Zweck, ein Gefühl für die Gruppe zu bekommen“, so Bartl.

Diese Konzentration auf die Gemeinschaft gleich zu Beginn ist entscheidend für Innovation und Kreativität. Denn jede Technik ist austauschbar, die Energie der Gruppe ist das, was zählt.

Beispiele für Warm-Ups und Check-Ins:

Tech-Onboarding

Sollten die Teilnehmenden in ihren technischen Voraussetzungen sehr divers sein, ist eine kleine Einführung nützlich. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sogar sehr witzig sein können.

Mikrofon-Check
  • Von der Sprecher- in die Galerieansicht wechseln und Mikrofon anschalten. Dann können sich alle sehen und „Hallo“ sagen. Danach wieder stumm schalten.
  • Kleine Gesprächsrunde, um die Audioverbindung zu prüfen. Diese lässt sich am besten mit einer vorgegebenen Frage kombinieren.
Upload- und Download-Check

Zu einer vorgegebenen Frage (Wie fühle ich mich heute? Wie sieht mein Arbeitsplatz aus?)

  • Eine Datei hochladen. Z.B. ein Foto aus der eigenen Fotobibliothek.
  • Ein Gif aus der Whiteboard-Datenbank heraussuchen und hochladen.
  • Ein von dem*der Moderator*in vorbereitetes Quiz-Dokument oder Foto aus dem Chat herunterladen.

Diese kleinen Challenges bescheren Technik-Laien ein sofortiges Erfolgserlebnis, gleichzeitig lassen sich mögliche Fragen gleich zu Anfang in der Gruppe klären.

Der persönliche Gegenstand

Braucht etwas mehr Zeit und bringt eine persönliche Ebene herein. Sorgt gerade nach der Mittagspause für Auflockerung.

Jeder holt innerhalb von 30 Sekunden einen Gegenstand in einer bestimmten Farbe, z.B. blau, und erzählt dann, was dieser Gegenstand für sie*ihn persönlich bedeutet bzw. was die Person damit verbindet.

Emoji-Pantomime

Eine lustige Übung ohne private Ebene, bei der man aus sich herausgehen muss.

Man sucht sich ein Emoticon aus und versucht dieses, pantomimisch nachzustellen. Wer es errät, postet das Emoji in den Chat.

Die klassische Frage

Durch gut ausgesuchte Fragen, lernt man sein Team auf einer tieferen Ebene kennen. Fragen tragen außerdem zu einer besseren Workshopkultur und Verbindung unter den Teilnehmenden bei. Der Kniff liegt darin, eine Frage herauszusuchen, die einen Bezug zur Aufgabe oder zum Thema des Workshops hat.

Die Website tscheck.in ist ein wunderbarer Impulsgeber für Fragestellungen bei Check-In  und Check-Out.

Die Wortwolke

Eine Wortwolke kann als Erweiterung zu einer Fragestellung eingesetzt werden. Im Gegensatz zur mündlichen Abfrage schreibt jede*r Teilnehmer*in eine Ein-Wort-Antwort ins Whiteboard, in den Chat oder in ein Add On wie z.B. Slido. So entsteht ein Stimmungsbild, das jede*r sogleich vor Augen hat.

Den Körper einbeziehen

Angebote wie Body-Scan, Stretching oder eine geführte Meditation sind nicht jedermanns Sache. Man muss sich selbst damit wohlfühlen, solch eine Innenschau einzuleiten. Oft ist es ebenfalls sinnvoll, die Gruppe bereits kennen gelernt zu haben, kann jedoch, sogar bei anfangs skeptischen Teilnehmer*innen, eine sehr fokussierende und entspannende Erfahrung sein.

Diese Auflockerungstechniken lassen sich auch einsetzen um die Aufmerksamkeit für etwas trockenere Workshopphasen zu fokussieren. Eine aktivierende, lustige oder reflektierende, persönliche Ebene trägt zur Balance bei und ist ein effektives Mittel gegen Müdigkeit und Abgelenktheit. Auch ein Check-Out nach dem Workshop ist ein wichtiges Tool zur Abrundung und für einen guten Abschluss.

Kommuniziere den Rahmen

Ebenso sollte gleich zu Beginn das Warum, Wo und Wie des Workshops wie auch die Absicht, die Tagesordnung und die Richtung des gewünschten Ergebnisses kommuniziert werden. Da jeder Mensch die Dinge durch seine eigene Brille wahrnimmt, lassen sich so Irritationen vorbeugen. Außerdem lässt sich sicherstellen, dass alle einverstanden und motiviert sind, auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten.

Unter das Wie fällt auch der zeitliche Rahmen. Oft sind Meetings oder Workshops von ein bis zwei Stunden ausreichend. Bei längerer Dauer ist es essentiell, genügend Pausen, wie auch eine längere Mittagspause, einzuplanen.

„Es ist wichtig, diese komprimierte Zeit, die die Gruppe miteinander verbringt, wertzuschätzen. Wertschätzung, dass sich jeder comittet, sich einzuschalten, dabei zu sein, sich zu beteiligen, Ergebnisse vorzutragen.  Diese Wertschätzung drücke ich aus, indem ich ganz viel Klarheit in die Struktur der Angebote und Formate stecke“, erklärt Diemut Bartl. „Dabei handelt es sich nicht um ein Diktat im Sinne von ‚jetzt müssen wir das, das, das und das machen‘, sondern eine Balance zwischen Stillarbeit, Austausch von drei bis fünf Personen oder Vortrag. Eine Balance zwischen all den Möglichkeiten der Interaktion, sowohl synchron als auch asynchron.“        

Unser Fazit:

Es geht in erster Linie um die Verbindung und ein gemeinsames Erleben, um die innovative Kraft der Gruppe freizusetzen. Dazu benötigt es auf Seiten der Moderation eine extrem gute Vorbereitung, eine flexible Struktur und ein Vertrauen auf den Prozess.

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