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Erfahrungsbericht Design Thinking – Vom Gedanken zum Prototyp

Die Methode Design Thinking liefert nach strukturiertem Vorgehen in kurzer Zeit anfassbare Ergebnisse. Unsere Kollegin Marina hat einen Workshop besucht und berichtet beispielhaft, wie es sich anfühlt und warum es sich lohnt, sich in der Methode zu versuchen.

 

Über Design Thinking kann man viel sprechen und immer noch nicht wirklich wissen, was es bedeutet. Design Thinking muss man erleben. Zu Gast bei unseren Agenturkollegen von hw.design nahm ich am Design-Thinking-Workshop der Münchner Creative Business Week 2019 teil. Ein aufregender Tag unter Zeitdruck, mit maximaler Effizienz und einem spürbaren Ergebnis.

“Design Thinking, wenn wir das nicht machen, dann sind wir raus.” Gespannt lausche ich dem Vortrag von Elke Hey, PR-Verantwortliche der Agentur hw.design. Sie berichtet vom Ursprung, der Kreativmethode und skizziert die Prozessschritte des Design-Thinkings: Verstehen, Beobachten, Sichtweisen definieren, Ideen finden, Prototyp entwickeln und Testen. Es handelt sich dabei um einen iterativen Prozess, dessen Teilschritte bei Bedarf stets wiederholt werden bis zum perfekten Endergebnis. Über Und dafür muss man sich Zeit nehmen und offen sein für einen neue Herangehensweise.

Zunächst wechseln wir nach dem Einführungsvortrag von Elke Hey in das sogenannte Kreativlab der Agentur. Hier erwartet uns eine kreative Umgebung mit Pinnwänden, flexiblen Stühlen und Tischen, eine Ecke voller Bastelequipment und vieles mehr. Weg von Arbeitsplatz sei die Devise und wichtigste Grundregel für den Design-Thinking Prozess.

Und los geht es. In Zwei-Mann-Teams widmen wir uns der Übungsaufgabe den perfekten Geldbeutel für unseren Gegenüber zu entwickeln. Dazu starten wir mit einem Kennenlernen. Mein Gegenüber ist Stephanie, die ich seit zwei Minuten kenne. Wie tickt sie? Und was macht für sie ein perfekter Geldbeutel aus? Klingt nach einem netten Plausch, doch es ist alles andere als das. Das Interview ist streng limitiert. Elke moderiert den Prozess und gibt klare Timings vor. Sie steht in der Mitte des Raumes beobachtet, die Konversationen und nach bereits vier Minuten schlägt sie mit dem Löffel auf das Tablet. “Was das waren schon vier Minuten” höre ich es neben mir aus den anderen Teams grummeln. Mir persönlich wird erst richtig klar, wie fokussiert und spitz ich meine Fragen stellen sollte, um möglichst viel, aber vor allem das Wesentliche von Stephanie und ihrem Traumgeldbeutel zu erfahren.

Glücklicherweise bekommen wir im zweiten Prozessschritt noch einmal die Gelegenheit zu reflektieren und gegebenenfalls noch einmal nachzufragen. Denn gemeinsam definieren wir die nun die Standpunkte und ziehen die Wichtigsten Erkenntnisse heraus. Ich sammele Feedback und kann meinen Eindruck über ihre Persönlichkeit und ihre Beziehung zu ihrem Geldbeutel vervollständigen.

Stephanie ist pragmatisch, sie mag ihren Geldbeutel einfach, schlicht, kompakt und auf keinen Fall umständlich. So wirklich hat sie keine emotionale Verbindung dazu. Ich beschreibe es kurz: Das notwendige Übel, das man braucht und das leider jeden Tag. Die Fragestellungen auf einem Papierbogen, der uns durch den Design-Thinking-Prozess führt, bringt mich zum Grübeln. Dort heißt es provokant: Welche Dinge sieht dein Gesprächspartner vielleicht selbst nicht.” Mein Gedanke festigt sich immer mehr: Eigentlich muss ich Stephanie dazu bringen ihren Geldbeutel los zu werden.

Elke kündigt nach diesem dritten Step an, dass es jetzt drum geht Ideen zu generieren. Vor mir fünf weiße Kästchen, die nach weiteren vier Minuten mit Skizzen gefüllt sein sollen. Radikale Ideen fordert die Aufgabe laut Beschreibung. Ich war einen kurzen Moment skeptisch, aber dann machte mir das kleine Wörtchen “radikal” Mut meine gewagten Ideen weiterzudenken. Meine erste Skizze: komplett bargeldlos. In Gedanken entwickle ich eine App, mit der Stephanie überall in nur wenigen Sekunden via Smartphone bezahlen kann, rechtsgültig, verifiziert und alles in nur einer Anwendung. “Was ist mit den Einkaufsmöglichkeiten, die kein bargeldloses Zahlen ermöglichen?”, nur ein kurzer Gedanke, doch die Zeit drängt und warum nicht mal visionär denken. Vielleicht schaffe ich es ja sämtliche am Bezahlprozess möglichen Beteiligten von meinem Produkt zu überzeugen. Ohnehin mir fehlen noch vier weitere Ideen.

Ich werde klassischer, der Geldbeutel ist in meiner zweiten Skizze in die Smartphone-Hülle integriert. Platz für Kleingeld ist da nicht. Warum nicht mal verzichten und vielleicht bei jedem Einkauf aufrunden, frage ich mich. Stephanie verliert maximal 4,99€ pro Einkauf. Gut, dass ich nur noch knapp eine Minute habe, sonst hätte ich begonnen hochzurechnen, was das für ein Verlust für Stephanie bedeuten könnte. Schnell entwickle ich in der verbleibenden Zeit noch drei weitere Skizzen eines Geldbeutels. Sie erinnern schon mehr an die Geldbörse, die auch in meiner Tasche steckt. Doch ich werde Stück für Stück kleiner und handlicher bis ich letztlich beim Scheckkartenformat ankomme. Fünf skizzierte Ideen in vier Minuten. Hätte man mich zuvor gefragt, hätte ich mit einem “niemals” erwidert.

Realitycheck. Ist der Kunde denn auch zufrieden mit den fünf Ideen, die ich entwickelt habe? Es geht in eine weitere Feedbackrunde. Stephanie ist begeistert, alle Zahlungen an ihrem Smartphone zu tätigen, aber ist sich sicher, das dauert noch Jahre bis die Technik im letzten Tante-Emma-Laden soweit ist. Einverstanden, aber wo wäre ich hingekommen, wenn ich nicht zunächst in der größten Dimension gedacht hätte, vermutlich niemals zur Idee der Smartphone-/Geldbeutelhülle. Diese Erkenntnis nahm ich mit: wieder eine Nummer kleiner denken, das kann ich immer noch.  Ohne Zweifel ist das nichts Besonderes in einem Kreativprozess, damit hebt sich Design Thinking definitiv nicht ab. Vielleicht aber durch die Effizienz, denn in einem freien Brainstorming hätten sich meine kritischen Gedanken wahrscheinlich doch etwas mehr im Kreis gedreht.

Ich staune sehr als Stephanie sich sogar bereit erklärt, auf Kleingeld zu verzichten und den ein oder anderen Betrag zu spenden. “Das könnte ich mir gut vorstellen”, sagt sie. Wir verfolgen den Ansatz weiter und bauen im nächsten Schritt einen Prototyp. Dazu stellt Elke unzähliges Bastelmaterial bereit. Von der Knetmasse bis zum Pfeifenputzer, alles da, um einen Geldbeuteldummy zu bauen.

Die sechs Prozessschritte sind vorüber, aber das ist erst der Anfang, denn bis zum perfekten Endergebnis heißt es auch schon mal zurück an den Anfang: Verstehen. Wir enden an dieser Stelle und alle Gruppen finden sich am großen Tisch zusammen, um ihre Prototypen zu präsentieren. Der Tisch ist bunt geworden. Es fühlt sich gut an schon etwas Anfassbares
zu haben.

 

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