HamburgPräsentation

“Eine extreme Antipathie gegen Blau”

Britta Nitsch ist Senior Art Director bei K16. Sie arbeitet seit Januar 2012 im Hamburger Büro.

Hallo Britta, was machst du bei K16?

Ich mache Art Direktion für verschiedenste Projekte im Bereich Corporate Identity und Corporate Design. Von der Markenentwicklung bis zu deren Umsetzung in den Bereichen Print, Film, Packaging und Web, aber auch verschiedene Präsentationsformate, zum Beispiel für Events – also eine große Bandbreite.

Und auch das Spektrum an Kunden ist unglaublich groß: Vom Food-Bereich bis zu Banken, IT-Dienstleistern und Unternehmensberatungen.

Beeinflusst die Art, Branche oder Größe des Kunden deine konzeptionelle Herangehensweise an ein Projekt?

Ich schaue mir immer an, in welchem Feld der Kunde tätig ist, das hat natürlich Auswirkungen. Eine Maschinenbaufirma würde ich eher nicht in Rosa und Mint ausstatten … Aber egal wie groß oder klein der Kunde ist, ich muss ihn zuallererst verstehen, dann kann ich erst mit dem Gestalten anfangen.

Und selbstverständlich schaut man auch, wie die Wettbewerber unterwegs sind. Wenn der Kunde eine neue Hautcreme in einer runden Dose einführt, würde ich die eher nicht blau mit weißer Typo drauf gestalten (grinst verschmitzt).

Beeinflussen Trends deine tägliche Arbeit? Fragen Kunden bestimmte Dinge explizit nach, oder müssen sie eher zu zeitgemäßem Design “dahin-beraten” werden?

Aktuelle Strömungen habe ich immer im Hinterkopf. Generell rate ich eher dazu, das Layout zu beruhigen und auf unnötige Effekte zu verzichten. Also erstmal klar feststellen was gesagt werden soll, und was wir dazu brauchen – und was nicht, weil es dekorativer Schnickschnack ist. Es kommt auch häufig vor, dass Kunden mit einer konkreten Richtung kommen, die ihnen gefällt. Und dann überprüft man, ob das passt.

„Der wichtigste Schritt ist zu verstehen,
was der Kunde sagen will.”

Und wie wählt man aus, was für ein Unternehmen richtig ist?

Der wichtigste Schritt ist zu verstehen, was der Kunde sagen will, wo er herkommt, wo er steht und was zu ihm passt. Und dann das visuelle Mittel zu finden, wie man es am besten umsetzt und welche Technik man nimmt. Häufig kommen Kunden mit einer Präsentations-Anfrage für PowerPoint und grob umrissenem Inhalt. Und dann stellt man fest, dass denen eher mit einer Prezi gedient wäre, weil die Inhalte dementsprechend sind, und man dann visuell spannender gestalten kann, mit Illustrationen und wilden Kamerafahrten. Oder man setzt die Inhalte in einem Film um. Aber das ergibt sich eben erst, wenn man den Kunden verstanden hat und weiß, welchen Weg man wählen muss.

Und wie gehst du methodisch an einen Neukunden ran, zum Beispiel ein eher junges Unternehmen, das selber noch nicht weiß wo es hin will?

Da empfiehlt es sich, dem Kunden in einem Markenworkshop auf den Zahn zu fühlen. Also den Kern der Marke herauszuarbeiten, was die Firma ihren Kunden verspricht, wofür sie steht und wie sie das begründet. Da stellen wir dem Kunden ganz viele Fragen, zum Beispiel welches Auto oder welches Tier sie auswählen würden, um ihre Firma zu symbolisieren. Das ist sehr assoziativ und liefert spannende Ergebnisse. Wir sammeln ganz viele Adjektive, Schlagworte sowie Kernsätze und setzen dann mit dem Kunden zusammen Prioritäten. Das ist dann das Gerüst, um den Markenkreis zu befüllen.

Das ist ein tolles Tool, um in die Tiefe zu gehen und die Persönlichkeit eines Unternehmens herauszuarbeiten. Häufig begreifen die Leute ihre Firma dann auch besser, und sind überrascht, wie kurz und knapp man sowas auf den Punkt bringen kann. Und so werden sie befähigt, in drei Sätzen ihre Firma zu beschreiben, ohne lang und breit aufzuführen, was sie alles im Produktportfolio haben. Und der fertige Markenkreis ist dann die Basis für den Design-Prozess.

Wann wird es denn Zeit für ein Unternehmen, den eigenen Markenauftritt zu überdenken?

Das bietet sich an, wenn sich in einer Firma was tut, sich z.B. das Portfolio ändert. Generell ist eine Corporate Identity aber nie wirklich fertig und sollte kontinuierlich überprüft und ergänzt werden – im Sinne einer kontinuierlichen Evolution, bei der ab und an die entscheidenden Stellschrauben nachjustiert werden. Eine Marke ist ja ein gelerntes Bild, das man nicht auf einmal komplett neu machen, sondern langsam weiterentwickeln sollte.

Irgendwas kommt immer dazu, man braucht neue Formate für Kampagnen oder neue Medien. Man sollte etwa alle fünf Jahre kritisch prüfen, ob alles noch funktioniert, oder ob es extremen Wildwuchs gibt, der mit einem neuen Template eingedämmt werden muss, weil die Leute anfangen, sich selber irgendwas zu bauen.

Farben sind ja ein ganz wichtiger Teil der Corporate Identity, die ein Unternehmen unverwechselbar machen. Wie sieht es da mit dem persönlichen Geschmack des Designers aus, bringt man den auch ein oder hält man sich da zurück?

Den hält man da weitestgehend raus. Ich mag privat zum Beispiel überhaupt kein Blau. Da habe ich eine extreme Antipathie, die so weit geht, dass ich zum Beispiel keine Wattestäbchen mit himmelblauem Stab kaufe, oder keine Küchenrolle mit himmelblauem Aufdruck. Ich hatte in der Jugend eine Himmelblau-Phase, da habe ich mein Blau-Kontingent einfach aufgebraucht. Heute mag ich nur noch blaue Jeans, blaue Augen, blauen Himmel und blaues Meer – das sind meine Ausnahmen, und ansonsten kommt mir kein Blau ins Haus. Punkt!

„Ich zum Beispiel mag überhaupt kein Blau.”

Und wenn du einen Kunden hast, der sehr blau-lastig unterwegs ist, versuchst du dann, ihm das auszureden?

Ich trenne privat und beruflich da strikt (lacht). Beruflich kann ich wunderbar mit Blau arbeiten. Fast 40% der Deutschen bezeichnen Blau als ihre Lieblingsfarbe. Und wenn man zum Beispiel aus der Technik-Branche kommt, macht Blau wegen der damit verbundenen Assoziationen durchaus Sinn. Blau ist die Farbe der Weite, des Himmels und des Meeres. Es schafft Raum und Perspektive, weil es sehr offen ist, praktisch grenzenlos. Und es ist die Farbe der Treue, der Klugheit und des Geistes.

Von daher wird Blau durchaus gerne verwendet, weil es eine Farbe ist, die sich nicht aufdrängt. Rot springt ins Auge, es knallt und hat Signalwirkung. Und Blau, das ist eben da, hat seine Weite und springt dir nicht so ins Gesicht. Deswegen ist das durchaus eine gute Farbe für ein schönes Corporate Design.

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