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Die Kraft der Präsenz: Wie ihr auf der Bühne den Funken überspringen lasst

Während einige Präsentator*innen vor Publikum geradezu leuchten, will bei anderen so gar kein Feuer zu entstehen. Woran liegt das? Könnt ihr erfolgreiches Präsentieren lernen? Die Antwort ist – ja. Es ist nur eben Arbeit. Manchmal auch viel Arbeit. Und es eines könnt ihr gleich wieder vergessen: die Idee, dass es dabei darum ginge, besonders authentisch zu sein.

Wie ihr die Bühne lieben lernt und die Bühne euch

Leichtigkeit – das ist einer der schönsten Momente, wenn sich in einem Training auf der Bühne der Moment einstellt, in der eine Keynote auf einmal locker wird. Das ist der Moment, wo der*die Präsentierende völlig sicher in seinen Inhalten ist. Diese Leichtigkeit ist Fleißarbeit. Es ist wie Schlittschuhlaufen am Anfang. The world is made of trial and error: Hinfallen, aufstehen, weitermachen. Schön zu sehen, wenn jemand auf einmal sicher seine*ihre Bögen fährt und zu erleben, wie diese Person zunehmend an Selbstbewusstsein gewinnt und sich immer mehr traut. Ich habe Trainings erlebt, in denen diejenigen, die am Anfang hoffnungslos abgehängt schienen, am Ende diejengen waren, die als die gefeierten Stars die Bühne verließen. Während diejenigen, die am Anfang super cool und selbstsicher auftraten, auf der Bühne auf einmal Schweißperlen auf der Stirn hatten und den Faden verloren. Anspruch und Wirklichkeit. Nicht immer entwickeln sich die Dinge, so wie man denkt. Aber man kann den Gang der Dinge beeinflussen. Der Kern der Sache ist: Üben. Einfach machen. Immer wieder. Und das bedeutet nicht, auf dem Rechner vor dem Termin, die Charts noch einmal durchzugehen. Es bedeutet rauf auf die Bühne. Am besten vor einem kleinen Publikum. Und auf der Bühne heißt es, performen. Ihr präsentiert wie unter Live-Bedingungen. Vielleicht nehmt ihr das Ganze mit der Kamera eures Smartphones auf und wertet es später für euch aus. Seid nicht zu selbstkritisch. Nur wer sich selber lieben kann, kann auch andere von sich überzeugen. Fragt euer kleines Publikum auch danach, was sie schon Positives in eurem Vortrag sehen. Ihr macht mit Sicherheit vieles schon intuitiv sehr gut. Darauf könnt ihr aufbauen. Den Rest könnt ihr lernen.

Steve Jobs gilt als einer der größten Präsentatoren aller Zeiten. War er ein Naturtalent? Wahrscheinlich nicht. Fest steht, seine berühmtesten Keynotes waren perfekt choreographierte Theaterstücke. Jede Pointe, jeder Turn war geplant und einstudiert. Natürlich. Deshalb wirkte es ja so leicht und authentisch. Einer der begnadetsten Redner soll übrigens Winston Churchill gewesen sein. Während der besonders kritischen Phase des Zweiten Weltkriegs, in der die Deutschen mit ihren Bombardements die Moral der britischen Bevölkerung zu brechen versuchten, pflegte er in der Menge zwischen den Menschen flammende Stegreifreden zu halten, scheinbar spontan. Durch Biografen ist kolportiert, dass jede dieser Reden minutiös vor dem Spiegel geplant war.

Zu den praktischen Dingen für eure nächste Präsentation: Arbeitet ihr mit ausformulierten Sprechertexten oder sprecht ihr frei? Hier gibt es sicherlich unterschiedliche Talente oder besser gesagt: Erfahrungslevel. In unseren Trainings starten wir meist mit ausformulierten Sprechertexten, die dann als Sprechnotizen im Training auf der Bühne verwendet werden dürfen (und vor allem weiter geschliffen werden). Wichtig ist dafür, auf der Bühne eine freie und authentische Sprache zu finden. Besonders kritische Passagen, den entscheidenden Turn oder die humorvolle Pointe könnt ihr fest einstudieren und ein Wording finden, das auf der Bühne frei gesprochen funktioniert. Für andere Passagen reicht dann ein Stichwortzettel. Mit etwas Übung und Erfahrung werdet ihr den Zettel weglassen können. Nicht ungewöhnlich, dass die Karten live dann gar nicht genutzt werden. Ihr habt sie eben dabei gehabt. Für die Sicherheit.

Was ihr bei eurer nächsten Präsentation vor Publikum unbedingt beachten solltet

In dieser Blog-Serie war schon an verschiedenen Stellen davon die Rede, dass die Entwicklung einer Präsentation eine Reise oder ein Prozess ist, der damit beginnt, dass ihr euch über die Zielsetzung und Botschaften bewusst werdet. Erstens, was wollt ihr eigentlich mit der Präsentation erreichen? Zweitens, was soll euer Publikum unbedingt wissen? Und drittens, die sicherlich am schwierigsten zu beantwortende Frage: Wie beeinflusst das, was ihr zu erzählen habt, eigentlich das Leben derer, die da im Publikum vor euch sitzen? Eine Art Masterplan, wie ihr an eure nächste Präsentation herangeht, findet ihr in dem Blog-Artikel Get the Basics Done: 7 Tipps für den ersten Schliff, damit eure Präsentationen endlich gut werden.

Wenn wir uns einen Plan machen, einem Ziel unterordnen, wird die Sprache klarer.

Stefan Wachtel, Präsentations- und Führungskräfte-Coach

Die Klarheit über Ziele und Botschaften, die inkrementelle also schrittweise Vorgehensweise, und der mündliche Austausch mit Sparringspartnern zu dem Thema, sind mindestens die halbe Miete für einen erfolgreichen Auftritt vor Publikum. Ihr übt eigentlich schon die ganze Zeit, was funktioniert, was nicht. Für die konkrete Vorbereitung eures Auftritts auf einer Bühne vor Publikum hier noch einige Tipps für die Ausarbeitung:

Einfachheit, Wiederholung und Dreierregel

Je mehr Zuhörer ihr habt, desto weniger Botschaften sollten eure Charts enthalten und desto einfacher solltet ihr sie gestalten. Macht euch bewusst: Gute Charts erweitern euren Erlebnisraum, sie sind aber nicht eure Präsentation. Die Präsentation seid ihr. Wie ihr auf der Bühne agiert und was ihr zu sagen habt. Wenn ihr dem oben beschriebenen Masterplan folgt, werdet ihr sehr klar, in euren Botschaften sein. Nutzt das um eure Botschaften in eurer Keynote auch klar und prägnant zu formulieren. Und habt keine Angst vor Wiederholungen, nutzt sie bewusst und akzentuiert, in dem ihr eure wichtigste Botschaft, mehrfach, in verschiedenen Zusammenhängen wiederholt. Bei Aufzählungen nutzt ihr die Dreierregel: Neurowissenschaftliche Studien belegen, dass Zuhörer sich drei Dinge leichter merken können als zwei oder vier.

Emotionen ansprechen

In meinem Blogbeitrag Das Prinzip Storytelling: Für das emotionale Feuer in euren Präsentationen findet ihr verschiedene Ansätze, wie ihr Emotionen in Präsentationen erzeugt. Fest steht, ohne Emotionen werdet ihr euer Publikum nicht in Bewegung setzen. Nutzt Metaphern, Analogien, persönliche Anekdoten und verbindet sie mit euren Themen. Macht euer Produkt, euer Thema erlebbar, in dem ihr in Form von Personas den Nutzen für die Menschen nachvollziehbar macht. Erzeugt Flughöhe, indem ihr euer Thema mit dem übergeordneten Sinn verbindet: Was ist das Why? Und kontrastiert den Status quo (Was ist?) mit der Erzählung einer besseren Zukunft (Was könnte sein?). So erreicht ihr euer Publikum. Eine der wirkungsvollsten Methoden, das Eis zu brechen, ist übrigens Humor. Eine gute Pointe effektvoll akzentuiert, erzeugt eine biochemische Reaktion im Gehirn des Zuhörers: Endorphine, das gleiche Glückshormon, das wir erleben, wenn wir einen langen Lauf geschafft haben oder ein wichtiges persönliches Ziel erreicht haben. Nur wieder zurück auf Anfang: Eine gelungene Pointe passiert euch in der Regel nicht vor einem Publikum von 200 Leuten. Am besten habt ihr sie schon dabei, wenn ihr auf die Bühne kommt.

Star Momente generieren

Nancy Duarte beschreibt in ihrem Bestseller resonate eine Methodik, die viele große Präsentatoren auf der Bühne nutzen. Sie führt dafür den Begriff Star Moment ein. Die Idee beginnt mit der Fragestellung: Welchen großen Moment kann ich auf einer Bühne herstellen, an den sich die Zuhörer auch noch in zwei Monaten erinnern werden? Die Welt und die Wirkung von Präsentationen da draußen ist flüchtig. Insofern ist die Frage nach dem, was ihr zurück lasst, äußerst berechtigt. In ihrem Buch nennt Nancy Duarte das Beispiel von Bill Gates, der im Rahmen einer Charity-Veranstaltung zur Bekämpfung von Malaria, einen Schwarm Moskitos auf der Bühne freilässt. Keine Sorge, diese Moskitos haben nicht das Malaria-Virus in sich getragen. Doch der emotionalen Reaktion im Publikum tat das keinen Abbruch. Ich erinnere mich persönlich noch gut an den Star Moment eines unserer Kunden, den ich mit begleiten durfte. Im Rahmen einer Roadshow hatte der Präsentator gerade in einer lebendigen Präsentation ein neu gelaunchtes Geräts im Umfeld Arbeitssicherheit vorgestellt. Ein neues Gerät, das unter anderem die Eigenschaft mitbringt, besonders robust zu sein. Just one more thing. Bevor der Präsentator die Bühne verließ, untermalte er einen der zentralen Produktnutzen Robustheit noch mit einem kurzen Produktvideo, dass das Marketingteam vorher vorbereitet hatte: Zu sehen ein Produktmanager in einem Schutzanzug, der sich anschickt mit dem Gerät durch eine Waschstraße läuft. Ein Moment der Spannung. Tut er das jetzt gerade wirklich? Und dann geht es los. Die Bürsten schrubben ihn ordentlich durch. Und wenige Sekunden später sieht man ihn auch schon heil auf der anderen Seite der Waschstraße aus den Bürsten auftauchend. Lächelnd. Strahlend. Selbstbewusst. Daumen hoch. Es gibt viele Momente, die ihr auf der Bühne generieren könnt; es können auch stille, nachdenkliche sein. Etwa in Form einer persönlichen Anekdote. Nutzt diese Möglichkeit, denn ihr seid auf der Bühne, um Wirkung zu entfalten und erinnert zu werden.

Präsentator*innenwechsel

Ein letzter, sehr paktischer Tipp ist schnell erklärt: der Präsentator*innenwechsel. Wie gut ihr auch präsentiert, irgendwann wird die Konzentration des Publikums nachlassen, wird die Spannung abfallen. Es ist schlichtweg anstrengend, immer derselben Person zu folgen. Hier kann es helfen, zwischen verschiedenen Vortragenden zu wechseln. Eine interessante Option besteht darin, dass zwei Personen eine Präsentation gemeinsam halten. Die Co-Präsentierenden können sich auf der Bühne die Bälle zuspielen. Gute Dialoge wie in einem Theaterstück. Das kann sehr kurzweilig sein. Gerade wenn ihr auch Humor mit einbaut. Sinnvoll kann auch sein, Fachleute für ein bestimmtes Thema auf die Bühne zu holen: Warum sollte der CEO eines Automobilherstellers den Launch einer neuen Fahrzeuginnovation allein erzählen, wenn auch der Designer oder die Fahrzeugingenieurin spannende Insights zu berichten haben. Das hilft auch nachvollziehbar unterschiedliche Dimensionen eines Themas vorzustellen. Für das Publikum muss nur klar sein, wer hier gerade zu mir spricht und warum. Hier schließt sich der Kreis zum Anfang: Der Präsentator*innenwechsel ist kein Aufruf dazu, ausführlich und langatmig zu sein. Es ist wie in einem gut inszenierten Theaterstück: Die Rollen sind klar verteilt. Jeder hat seinen Part, den der oder die Vortragende prägnant und mit Energie verkörpert. Diese Zustand stellt sich nicht von alleine ein, sondern ist nur durch gemeinsames Üben realistisch möglich. Dann gewinnt jede Präsentation durch mehrere Präsentator*innen.

Exkurs mit Stefan Wachtel: Warum es darauf ankommt, im richtigen Film zu sein und Authentizität dabei nicht der beste Ratgeber ist

All the world’s a stage, and all the men and women merely players: they have their exits and their entrances; and one man in his time plays many parts […]

William Shakespeare, englischer Dramatiker

Einer der ersten und gleichzeitig einflussreichsten Theoretiker, die sich mit der öffentlichen Rede beschäftigt hat, war der griechische Philosoph Aristoteles. Nach seiner Theorie sind es drei Dimensionen, die den Erfolg einer öffentlichen Rede begründen. Das ist Ethos: Die Art und Weise, wie jemand auftritt, seine Erscheinung, sein Wesen, sein Stil. Das ist Pathos: Die Leidenschaft, mit der jemand sein Thema vertritt, die Emotionen, die er auf die Bühne bringt. Und das ist Logos, die Stringenz der Argumente, die Fakten. Zweifelsohne ist das so heute immer noch valide. Die richtige Mischung aus Glaubwürdigkeit im Auftritt, Emotionalität und argumentativer Stringenz. Nur was ist die richtige Mischung? Eine Untersuchung der Wirkung der bekannten TED-Talks, in denen Expert*innen aus Technologie, Wissenschaft, Design und Unterhaltung in maximal 18-minütigen Talks jeweils ein Thema vor Publikum vortragen, zeigt erstaunliche Ergebnisse. Zwar sind erwartungsgemäß alle Dimensionen wichtig. Aber mit 65 Prozent ist Pathos mit Abstand die entscheidende Dimension (für die Wirkung von TED-Talks), während Logos (20%) und Ethos (15%) gerade einmal ein Drittel der Wirkung ausmachen. Dabei beschreibt Pathos nicht nur die Verwendung emotionaler Stilmittel auf der Bühne. Es geht vielmehr auch um die Leidenschaft, die Überzeugung mit der jemand ein Thema auf der Bühne darlegt. Erfolgreiche TED-Talker verkörpern ein Thema, auf der Bühne. Dadurch, dass ein Thema auf der Bühne gelebt, wie man sagt, wird es erlebbar. Das ist auch das Stadium, das ihr anstreben solltet. Denn so baut ihr eine starke Verbindung zum Publikum auf.

Heißt das, es ist gut, auf der Bühne besonders authentisch zu sein? Sein Innerstes nach Außen zu kehren? Keine besonders gute Idee, wenn man Stefan Wachtel, Führungskräfte-Coach und Experte in Rhetorik, glaubt. In seinem Buch Die Kunst des Authentischen legt er dar, dass Authentizität am Ende ein Klischee ist. Und damit auch Glaubenssätze wie “Das Authentische macht die Welt besser” oder “Die Authentischen sind die Guten”. Stefan Wachtel nennt das den Terror des orthodoxen Authentizismus.

Das Paradox des Authentischen […]: Nicht nur wirkt das Nichtauthentische authentischer als das Authentische selbst, sondern das Authentische wirkt besser, wenn es nicht authentisch scheint.

Stefan Wachtel, Führungskräfte-Coach und Rhetorik-Experte

Wenn wir mit vielen Menschen zu tun haben, also beispielsweise auf auf einer Bühne vor einem großen Publikum, schlüpfen wir in eine professionelle Rolle. Das ist gut so. Die Kunst des Authentischen besteht eher darin, authentisch zu wirken, als es tatsächlich zu sein. Stefan Wachtel beschreibt das in seinem Buch etwa so: Wir alle kennen Menschen, die einen Raum betreten, die mit wenigen Worten und klaren Gesten das Richtige sagen und das Richtige tun. Diese Personen wirken authentisch. Sie sind bei sich. Sind sie es in dem Sinne, dass sie das Herz auf der Zunge tragen? Nein, gar nicht. Diese Menschen sind im richtigen Film. Sie sind in dem Moment eins mit ihren professionellen Rolle. Das wünsche ich euch auch für eure nächste Präsentation und euren nächsten Auftritt vor Publikum. Und denkt immer daran, dass ihr euch die Leichtigkeit, die ihr dafür braucht, am besten auf der Bühne im Training unter Wettkampfbedingungen erarbeitet. Was soll man sagen? In the end it’s Fleißarbeit.

Über Lars und seine Arbeit bei K16

Ich bin seit 2005, nur unterbrochen durch einen kurzen Ausflug in die Gründerszene, bei K16 und betreue heute als Strategischer Berater und Kommunikationsexperte Unternehmenskunden aus praktisch allen Branchen. Dazu gehören Projekte der Change-Kommunikation, der Markenentwicklung und Kommunikation im Rahmen von Events.
Ein Medium, an dem man bei K16 dabei definitiv nicht vorbeikommt, sind Präsentationen. Aus meiner Sicht eine der schönsten und wirkungsvollsten Kommunikationsformen überhaupt, weil sich hier Themen unmittelbar und persönlich mit Menschen verbinden.
In Workshops und Trainings berate ich Kunden dabei, wie sie die Geschichten für ihr Präsentationsthema − oft sind das komplexe B2B-Themen − in wirkungsvolle Präsentationen übersetzen und dabei auf der Bühne vor Publikum bestehen. In diesem und den folgenden Blogbeiträgen, möchte ich Erkenntnisse aus diesen Trainings und meiner Arbeit in Kundenprojekten teilen.

Weitere Insights zu Präsentationen, Präsentationstrainings und Vorlagen erhaltet ihr regelmäßig hier im Blog sowie in unserem Podcast K16 Stories – Kommunikation, die Funken schlägt. Der Podcast ist bei Apple Podcasts, Deezer, Spotify sowie auf unserer Webseite zu hören.

Bei Fragen, Anmerkungen und Anregungen freuen wir uns auf Ihre E-Mail an info@k16.de oder über Ihre Nachrichten per Kontaktformular.

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